A Oeste, O Muro  
  ein ökumenisches Kunstprojekt in der Ruine der Franziskanerklosterkirche von  
  Eva Castiel und Fanny Feigenson (Brasilien)  
     
  Eröffnung: Freitag, 7. Juni, 18.00 Uhr  
  Ausstellungsdauer: 8.6.- 21.7.2002  
     
 
     
     
 

A Oeste, O Muro - Nach Westen die Mauer ein ökumenisches Kunstprojekt von Eva Castiel und Fanny Feigenson in der Ruine der Franziskanerklosterkirche.

Es geht um abstrakte Symbole für die problematische Geschichte des Verhältnisses der drei großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Die Klosterruine, das älteste Kirchenbauwerk Berlins, steht dabei zum einen für die franziskanische Tradition der Friedensmission, die es selbst im Rahmen der Kreuzzüge, in der durch sie geprägten fundamentalistischen Atmosphäre, auch gegeben hat, eine Tradition, die aus der Sicherheit des eigenen Glaubens und der eigenen Identität heraus die Auseinandersetzung mit dem Gegner nicht mit Waffengewalt, sondern mit der Kraft der Überzeugung und des Arguments gewagt hat - eine Tradition allerdings, die an den harten Realitäten von Macht und fundamentalistischer Verblendung immer auch wieder gescheitert ist. Die Ruine steht damit gleichzeitig für die Zerstörung, welche das Scheitern des Dialogs zwischen den Gesellschaften und ihren Kulturen über die Menschheit gebracht hat. Diese Momente der Zerstörung werden durch die Installation "Nach Westen, die Mauer" nachdrücklich akzentuiert: durch die Wand, eine Anspielung an die Klagemauer in Jerusalem, die, obwohl als spirituelle Stätte für das Gespräch mit Gott gemeint, sich aktuell gerade wieder als unüberwindliche Trennwand erweist.Dahinter der Scherbenhaufen, den die Menschheitsgeschichte (nicht erst) seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem bis heute hinterlassen hat, verstärkt durch eine Klanginstallation, die das Zerbrechen schweren Glases hören lässt und damit unweigerlich Assoziationen auch an die Reichspogromnacht, an unsere deutsche Geschichte, erweckt. Die Zerstörungsmacht des Fundamentalismus hat viele Gesichter in der Geschichte der Menschheit und der Abbruch, die Verhinderung bzw. das Nichtzustandekommen des Dialoges, aus welchen konkret-historischen Gründen jeweils auch immer, ist der Weg, auf dem diese Macht marschiert - das ist die Botschaft, die uns dieses Kunstwerk überbringt. Die Arbeit "Nach Westen, die Mauer" ist jedoch gleichzeitig auch als die ausgestreckte Hand zu verstehen, die zum Dialog einlädt - eine Hand, die sich über einen Abgrund eigenen Leides und am eigenen Leibe erlebter Verfolgung und Zerstörung hinweg uns entgegenstreckt: ein jüdisches Kunstwerk in einer christlichen Kirche, womit symbolhaft angedeutet wird, dass ein Miteinander möglich ist - vorausgesetzt allerdings, dass die Geschichte sich gegenseitig zugefügten Leides nicht verschwiegen und verdrängt wird. Wirklicher Dialog bedeutet, sich dieser Geschichte mit allen Konsequenzen zu stellen.

 
     
  Veranstalter: Galerie Barsikow, Tel: 802 22 45