Die Kirchen in Berlin um 1300
1. St Nikolai Kirche ca.1220 4. Franziskanerkloster vor 1250
2. St. Petrikirche 1.Hälfte 13.Jh 5. Dominikanerkloster 1297
3. Marienkirche um 1270 6. Georgenspittal 1272 / 88
 
Der Grundriss der Klosterkirche und der Klosteranlage

 

Berlin Mitte um 1920 (Detail)
1. Klosterkirche 2. "Graues Kloster"
3. Nikolaikirche 4. "Rotes Rathaus"

 

 
Zeit
 
Maßnahmen / Ereignisse
     
um 1209
  Gründung des Franziskaner - Ordens
um 1237
  Gründung der Stadt Berlin
vor 1249
  Gründung des Berliner Konvents
um 1250
  1. Kirchenbau - Saalbau aus Feldsteinen, auf einem dem Orden zur Verfügung gestellten Platz an der Stadtmauer
1271
  Schenkung des Kirchenplatzes durch die Markgrafen Otto V. und Albrecht III. zu ewigem Besitz
um 1280
  2. Kirchenbau der Franziskaner in Berlin, unter Einbeziehung der Nordwand des Saalbaus als dreischiffigen Basilika in Backsteinmauerwerk
1290
  Schenkung einer zwischen Tempelhof und Cölln gelegenen Ziegelei durch den Ritter Jacob von Rebede
vor 1300
  Vollendung des Langhauses (1. Bauabschnitt)
1300
  Beisetzung des Herzogs Ernst von Sachsen in der Kirche
1.H.14.Jh.
  Durchführung des 2. Bauabschnittes (Chor) und Vollendung der Kirche
um 1500
  Vergrößerung des Klosters (nördlicher Flügel) und voll-ständige Renovierung der Klosterkirche durch die Mönche
1551
  starb der letzte Insasse des Klosters
1574
 

Gründung des Gymnasiums zum Grauen Kloster, Umbau der Klostergebäude, Einrichtung der Schule in einem Teil des Klosters

1583 - 1584

Restauration der Kirche durch Leonhard Thurneißer
1580   Einbau von Emporen im Seitenschiff
2.H.17.Jh.
  Abbruch der Chorkapelle und des Treppenturmes, Neubau der Treppenanlage in Fachwerk (Westseite)
1716
  Abbruch des Lettners in der Breite des Mittelschiffs
1719
  Umfangreiche Instandsetzungsarbeiten nach dem Dachstuhlbrand von 1712
   

Erhöhung des Fußbodens der Kirche um 1 m, neue Farbfassungen, Zumauerung der zwei nördlichen Chorfenster

1763
  erhebliche Feuchtigkeit in den Wänden und weiterer Verfall
1766 - 1788
  durchgreifender Umbau des Grauen Klosters und Abbruch des Kreuzganges an der Nordseite der Klosterkirche
1813
  Wiederherstellungs- und Umbauplan Schinkels
1827
  Wiederherstellungsplan Cantians
1834
  1. Wiederherstellungsplan Bergers
1841
  2. Wiederherstellungsplan Bergers, Genehmigung nach Kabinettsorder vom 8 November 1841
1842 - 1845
 

Umfassende Restaurierungs- und Erneuerungsarbeiten, Veränderungen im äußeren Erscheinungsbild durch Anbau von zwei Türmen

1844
  Abbruch der alten Mauer an der Klosterstraße und Errichtung einer Bogenhalle an deren Stelle 7.
1845  

Neubeu einer Sakristei an der nördlichen Chorwand

1902   die Klosterkirche muß aufgrund erheblicher Feuchtigkeits-zunahme in den Außenmauern erneut geschlossen werden
1926 - 1936   Bauforscherische Untersuchungen, Wiederherstellung des Kirchengebäudes und weitgehender Rückbau des Erscheinungsbildes vor 1840
1936
  24. Mai - die Kirche wird neu geweiht
1945
  Kriegszerstörung Anfang April - die Klosterkirche wird von einer Luftmine getroffen und bis auf Teile der Umfassungsmauern zerstört, die ehemeligen Klostergebäude sind schwer beschädigt
1950 - 1958
  Aufräumungs- und Enttrümmerungsarbeiten
1958- 1963
 

weitergehende Gefahrenstellenbeseitigung sowie umfang-reiche und Ruinensicherungs und Restaurierungsarbeiten

1983
  Die Kirchenruine ist gesichert und in eine kleine Parkanlage einbezogen
seit 1970
  einfache Herrichtung für Ruinennutzung
1987 - 1990
  Bildhauer - Ausstellungen
1992
  Gründung des Fördervereins durch Berliner Künstler
1993 - 2002
  Jährliche Kulturprojekte des Fördervereins in der Ruine
2003-2004   Sicherung + Restaurierung der hist. Bausubstanz
ab 2005 bis
15.April2016
  jährliche Kuturprojekte im "Gotischen Torso" Berlin-Mitte
veranstaltet durch den "Förderverein Klosterruine e.V."
     (Eine Kooperation zwischen dem Förderverein und der neuen Verwaltung war nicht mehr möglich!)
  Das durch die Arbeit des Fördervereins restaurierte und betreute Baudenkmal wurde der Verwaltung des Stadtbezirks zur Bewahrung übergeben.

 

DIE RUINE DER KLOSTERKIRCHE

Die heutige Ruine der 1250 errichteten Franziskaner Klosterkirche befindet sich zwischen Klosterstraße und nahe an der östlich verlaufenden Berliner Stadtmauer. Die Klosterruine ist neben der Nikolai- und Marienkirche ein Zeugnis früher sakraler Backsteingotik in Berlin und ist in dieser Bedeutung noch heute in seiner ursprünglichen Gestalt erlebbar. Als Grabmalskirche der brandenburgischen Landesherren ist sie die älteste Fürstengrabstätte Berlins und somit Zeitzeuge der Geschichte der Stadt Berlin. Der ursprüngliche Kirchenbau war eine Saalkirche aus Feldstein, ihre Reste sind heute in der Nordwand erhalten. Sie wurde um 1300 durch die markgräfliche Bauhütte nach Vorbildem des Brandenburger Domes sowie des Lehniner Zisterzienserklosters mit rotem Backstein zu einer dreischiffigen gewölbten Pfeilerbasilika mit langgestrecktem einschiffigem Chorhals umgebaut. Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Klosterkirche ein polygonaler Chorabschluß angefügt sowie an der Nordseite des Gotteshauses eine großer Klosterkomplex mit zwei Höfen.

 

Die Klosterkirche um 1620

Die Kirche hat in ihrer langjährigen Geschichte einige verschiedene Nutzungen, Restaurierungen und Umbauten erfahren. Im Zuge der Reformation und Säkularisierung wurde das Kloster geschlossen und als Komlager genutzt. Von 1571 bis 1584 richtete in den klösterlichen Gemäuern der Alchimist und kurfürstliche Leibarzt Leonhard Thurnheißer vom Thurm (1530-1596) ein Laboratorium und die erste Druckerei Berlins ein. Im Jahre 1574 entstand auf Wunsch des Kurfürsten Johann Georg das "Gymnasium zum Grauen Kloster", benannt nach den grauen Kutten der Franziskaner. Dieses Gymnasium entwickelte sich bis zum 19. Jahrhundert zur ersten bürgerlichen Bildungsanstalt Berlins, in welcher viete wichtige Vertreter der deutschen Geschichte wie u.a. Karl Friedrich Schinkel, Fürst Otto von Bismarck und Erich Rathenau ihre Bildung erhielten.

Die Klosterkirche von Westen (Zustand 1826-1842) Korkmodell

Von 1842 bis 1845 wurde das äußere Erscheinungsbild der Klosterkirche durch Anbauten an der Westfassade entscheidend verändert und entstellt. Das Aufsetzen eines hohen Dachreiters über dem Westgiebel und die beiden schmalen achteckigen Türme, die die Fassade des Westgiebels flankierten, entsprachen nicht den Ordensregetn der Franziskaner, die den Turmbau verboten, und verfalschten die Aussage des historischen Bauwerkes. 
Weiterhin schirmte ein rundbogiger Arkadengang das Westportal der Kirche zur Straßenseite hin ab. Am nördlichen Chorabschnitt wurde eine Sakristei errichtet. 

Diese einschneidenden Veränderungen wurden, mit Ausnahme der Sakristei, von 1926 bis 1930 mit Hilfe der alten Baupläne wieder zurückgenommen und die Kirche wieder in ihren ursprünglichen Zustand vor 1842 zurückgeführt.

 
 
     
Westgiebel 1899
 
Westgiebel mit Arkadengang 1930

 

Innenraum der Klosterkirche 1936

estgiebel 1942

Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Franziskanerkirche und die Klosteranlagen durch die Bombenangriffe der Alliierten schwer getroffen und zum größten Teil zerstört. Erst in der zweiten Hälfte der 50er Jahre wurde die Ruinen der Klosterkirche und des Klostergebäudes von ihren Trümmem befreit. In den 60er Jahren wurden die verbliebenen Gebäudeteile der Kirche wie die Westfront, die Nordmauer, der Chor, die Sakristei und die Teile der Klostennauem als Ruine gesichert. Später jedoch wurde aufgrund von Straßenbaumaßnahmen die Ruine des Klostergebäudes abgetragen, das Gelände eingeebnet und in eine Grünanlage umgestaltet. Die Ruine der Klosterkirche wurde seit ihrer Sicherung als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt.


1982 wurde die Ruine der Klosterkirche erneut saniert. Ab 1986 wurde die Ruine von Ostberliner Bildhauern, und nach 1989 durch den 1992 von Berliner Künstlern gegründeten Förderverein Klosterruine e.V. als Ausstellungsort genutzt. Bildhauer aus dem Ost- und Westteil der Stadt gestalteten die 1994 eröffnete Skulpturenausstellung ‚Innen und Außen’. Jährliche Freiraumveranstaltungen, Lesungen, Theateraufführungen und Ausstellungsprojekte sollen dafür sorgen, daß dieser kulturhistorische Ort wieder begehbar und erlebbar wird. Zum Konzept des Fördervereins gehört die Sicherung und Konservierung der historischen Bausubstanz und die Funktion als ein Schnittpunkt zwischen dem erhabenen Berliner Baudenkmal und der Präsentation zeitgenössischer Kunst.


Ab 2003 wurde die Ruine der Klosterkirche für zwei Jahre zur Schau-Baustelle. In diesem Zeitraum wurden die notwendigsten Maßnahmen zur Sicherung der historischen Bausubstanz durchgeführt.  Während der Bauarbeiten fanden zahlreiche Kulturveranstaltungen des Fördervereins statt.
Die Sicherung und Konservierung konnte Anfang 2005, nach langer Vorbereitung des Sicherungskonzeptes abgeschlossen werden.


Ab 2005 werden dann in der Ruine der Klosterkirche, dem „Gotischen Torso Berlin - Mitte“, wieder jährliche Kulturprojekte durch den Förderverein Klosterruine e.V. veranstaltet. Ziel ist, diesen kulturhistorischen Berliner Ort wieder zu einem Berliner Kulturtreffpunkt werden zu lassen.  Die Jahresprojekte werden jeweils als "Herberge .." veranstaltet, und die Wintermonate mit einem verbindenden "Winterzeichen .." gestaltet. Im Frühjahr 2016 wurde das vorläufig letzte Winterzeichen abgebaut.

 

Die Ruine des klosters und der Klosterkirche 1950